Nicht in Sichtweite.

Ein altes Gartentor begrenzt den kleinen Vorgarten mit den zwei roten Häusern. Alles erinnert mich an Schweden. Der Weg vor dem Tor führt direkt zum Strand. Immer, wenn wir hier ankommen, zelebrierst du es mit deinem Ritual. Diesmal öffnest du alle Fenster, lässt die wärmende Sommerluft hinein, pflückst Blumen aus dem Garten, bindest daraus einen Strauß und stellst ihn auf das kleine Buffet am Eingang. Dann ziehst du deine Schuhe aus und läufst sofort den sandigen Weg und die Düne hinauf. Ich folge dir und bevor du einen ersten Blick auf das Meer werfen kannst, drehst du dich um, gestikulierst wild und rufst mir zu, ich solle mich doch beeilen. Mein Schritt verlangsamt sich wie von selbst und du kannst diese Spannung kaum noch aushalten. Du bist aufgeregt, wie ein Kind in der Nacht vor seinem Geburtstag.
Immer schon kommen wir hierher, immer dasselbe Ritual und als ich dich endlich erreiche, nimmst du hektisch meine Hand und ziehst mich zum Strand. Das ist dann der schönste Moment.

Lichtblick

Der Himmel ist Azur, als wir auf die Räder steigen. Die Weiden, Rosen und Sanddornsträucher ziehen vorbei, um uns herum toben die Spatzen. Sie sind heut‘ noch ausgelassener als sonst. Es geht über die Dünen, durch die Heide, hin zum kleinen Leuchtturm, der gleich hinter dem Kiefernwäldchen liegt. Erst fahren wir endlose Straßen entlang, dann Feldwege, zum Schluss über feuchte Waldböden, die vom verregneten Vortag noch rutschig sind.

Im Zug, in Richtung Urlaub

Der kühle Fahrtwind macht diese Stunden erträglich. Wir sitzen in einer überfüllten Regionalbahn, um uns herum sind unruhige Kinder, die schon seit Stunden versuchen brav zu sein, es aber einfach nicht mehr aushalten. Daneben ungeduldigen Eltern, die nur noch ankommen wollen, ihre Kinder nicht mehr bändigen können und zwischen ihnen auch ein paar ältere Damen, denen die Hitze schon zugesetzt hat.

Wenn ich mich anstrenge, dann kann ich das Meer schon riechen, zwischen all dem Lärm, der Unruhe und der Hitze. 

Eigentlich war es ein guter Tag.

Das rötliche Licht der Gaslaterne vorm Haus spiegelt sich im Fensterrahmen. Weiße Gardinen lassen blaues Licht der Dämmerung herein und die schweren geblümten Vorhänge mich fremdeln. Die Einrichtung ist karg und die mintfarbene Tapete löst sich langsam an einigen Stellen von der Wand darunter. Ein großer Kleiderschrank nimmt gut ein Viertel des Raumes ein, der sonst nur mit einem Schreibtisch, einem grüngepolsterten Stuhl und einem Bett eingerichtet ist. An der Wand hängen mehrere unpersönliche Bilder, direkt neben mir das Foto eines Stegs auf Leinwand. Es ist fast dunkel und dieser Moment ist so fremd und weit entfernt. Laute Klackgeräusche schallen vom Schreibtisch, auf dem ein Wecker steht. Jede Sekunde ein klack. Das Einschlafen fällt noch schwerer. Eigentlich war es ein guter Tag. Es ist Sommer und ich fühle meine eben noch im Spiegel betrachtete braune Haut. Ein paar Stellen jedoch sind weiß geblieben. Ich schließe die Augen und verbanne die Geräusche, die durch das geöffnete Fenster und aus dem Flur zu mir dringen. Es gehen Türen, jemand wird gerufen. Draußen Hundegebell. Das Licht im Flur geht aus. Ich hoffe, bald findet er mich, der Schlaf. Nur einige Sekunden später ist der Tag vorbei.

Sommerhaus

Fenster

 

Zu jeder Tageszeit fällt hier Licht ein. Die blauen Fenster von denen die Farbe blättert sind von Wein umrankt und weit geöffnet. Draußen summt es. Nur ihre Bewegungen auf dem knarrenden Dielenboden dringen zu mir, sonst ist es still.

Es ist Sonntag. Zum Frühstück gab es Milchkaffee und eine Zigarette an ihrem Lieblingsplatz. Ich genieße ihre Anwesenheit, beobachte jeden ihrer Schritte, die ich nur hören und nicht sehen kann. Wir entdecken alles zusammen, stöbern in Erinnerungen, verwenden die gleichen Worte und sind uns wieder so nah. Tagsüber laufen wir barfuß, liegen im Garten und abends duschen wir kalt.