Manchmal, …

 

Manchmal, da sind die Tage so schnell, dann weiß man gar nicht, wie einem geschieht.  Die letzen, die waren genau so. Ich hätte dann gern einen Pause-Knopf, um alles was war und was ich erlebte habe, zu verarbeiten.

Manchmal, da sind die Tage ganz langsam. Diese hatte ich jetzt sehr lange nicht mehr, aber dann ist es kaum auszuhalten und sie ziehen sich, wie zäher Kaugummi. Ich weiß dann gar nicht, was ich diesen langen Tagen anstellen soll und Tage und Wochen dauern eine Ewigkeit.

Empathie

Das aschgraue, eingefallene Gesicht des Mannes am Empfang und seine trostlosen Augen starren mich fragend an. Er zeigt keine Reaktion, als ich an ihn herantrete. Es ist nicht nur der Ort, sondern auch seine Menschen, die aufgebraucht, erschöpft und von jeglicher Empathie verlassen sind.

Nicht in Sichtweite.

Ein altes Gartentor begrenzt den kleinen Vorgarten mit den zwei roten Häusern. Alles erinnert mich an Schweden. Der Weg vor dem Tor führt direkt zum Strand. Immer, wenn wir hier ankommen, zelebrierst du es mit deinem Ritual. Diesmal öffnest du alle Fenster, lässt die wärmende Sommerluft hinein, pflückst Blumen aus dem Garten, bindest daraus einen Strauß und stellst ihn auf das kleine Buffet am Eingang. Dann ziehst du deine Schuhe aus und läufst sofort den sandigen Weg und die Düne hinauf. Ich folge dir und bevor du einen ersten Blick auf das Meer werfen kannst, drehst du dich um, gestikulierst wild und rufst mir zu, ich solle mich doch beeilen. Mein Schritt verlangsamt sich wie von selbst und du kannst diese Spannung kaum noch aushalten. Du bist aufgeregt, wie ein Kind in der Nacht vor seinem Geburtstag.
Immer schon kommen wir hierher, immer dasselbe Ritual und als ich dich endlich erreiche, nimmst du hektisch meine Hand und ziehst mich zum Strand. Das ist dann der schönste Moment.

Lichtblick

Der Himmel ist Azur, als wir auf die Räder steigen. Die Weiden, Rosen und Sanddornsträucher ziehen vorbei, um uns herum toben die Spatzen. Sie sind heut‘ noch ausgelassener als sonst. Es geht über die Dünen, durch die Heide, hin zum kleinen Leuchtturm, der gleich hinter dem Kiefernwäldchen liegt. Erst fahren wir endlose Straßen entlang, dann Feldwege, zum Schluss über feuchte Waldböden, die vom verregneten Vortag noch rutschig sind.

Morgens

MorgensWährend ich an der roten Ampel warte, zündest du dir die erste Zigarette an.

Ich habe den Dunst aus Alkohl, Rauch und Schweiß gerade erst verlassen und atme jetzt die reine Morgenluft. Es ist klar und kalt und nur deine kleinen Rauchwölkchen vernebeln diese ersten Stunden des Tages.

Ich frage mich, ob wir beide denselben Club verlassen haben, dann wird es grün.

Im Zug, in Richtung Urlaub

Der kühle Fahrtwind macht diese Stunden erträglich. Wir sitzen in einer überfüllten Regionalbahn, um uns herum sind unruhige Kinder, die schon seit Stunden versuchen brav zu sein, es aber einfach nicht mehr aushalten. Daneben ungeduldigen Eltern, die nur noch ankommen wollen, ihre Kinder nicht mehr bändigen können und zwischen ihnen auch ein paar ältere Damen, denen die Hitze schon zugesetzt hat.

Wenn ich mich anstrenge, dann kann ich das Meer schon riechen, zwischen all dem Lärm, der Unruhe und der Hitze. 

ausgesucht

Wenn noch alles unbekannt ist und neu, Namen und Orte nicht vertraut, dann sind es die Worte auf den ersten Seiten, die entscheiden, ob es lesenswert ist.

Ich habe es ausgesucht und es wird mich begleiten. Ich nehme mir Zeit und Ruhe, denn das brauche ich, das ist wichtig, weil ich die Geschichten atmen und jedes Wort aufnehmen und jeden Zusammenhang verstehen will. Zu Beginn ist manches merkwürdig, Namen noch fremd und es braucht diese Zeit, bis ich mich gewöhnen kann, alles vertrauter wird und es mich letztlich wieder verlässt.

6:53

Unterwegs

Ich nehme einen letzten großen Schluck vom Kaffee, der bereis kalt ist, als der Schaffner ein zweites Mal freudig pfeifend durch das Abteil läuft und ich auf die Durchsage des nächsten Bahnhofs warte. Es ist noch recht früh an diesem Montagmorgen und ich habe gestern ganz spontan meine Tasche gepackt und beschlossen wegzufahren. Das ist eigentlich nicht meine Art, denn mein Urlaub ist heute vorbei und normalerweise müsste ich jetzt schon auf dem Weg dorthin sein. Ich versuche dies zu verdrängen und die Uhr zeigt 6:53. Es wird so nicht weitergehen. Nicht, wie bisher. Der Alltag, das frühe Aufstehen, das Funktionieren müssen, das Abarbeiten und der tägliche Trott. Ich rebelliere, jetzt und hier. Der Sonntagabend war anders als sonst. In mir hat sich etwas verändert und jetzt sitze ich im Zug auf dem Weg nach …, wohin eigentlich? Mit jedem Kilometer wird die Last weniger. Die Distanz schafft Entspannung und ich kann endlich loslassen. Wenn man so früh reist, dann ist es meist ruhig in den Zügen. Ich höre um mich herum nur geschäftiges Tippen auf Laptoptastaturen. Es ist hecktisch und monoton. Hier werden noch Mails geschrieben, Meetings vorbereitet, Änderungen an Präsentationen vorgenommen und wieder passiert mich der pfeifende Schaffner und durchbricht diese Stille. Seine gute Laune ist heute nicht ansteckend. Nicht für mich. Ich blicke nach durch das Zugfenster: Hochspannungsleitungen, Bäume und Wälder, kleine Orte und verlassene Bahnhöfe, alles zieht vorbei, wirkt idyllisch. Da möchte ich verweilen. Es ist ein kühler Sommermorgen, ich habe mich für Jeans und Pulli entschieden, aber in der Reisetasche, da sind die kurzen Hosen und T-Shirts verstaut. Wo ich hinfahre, dass weiß ich nicht, aber ich werde diese Sachen dort benötigen, davon bin ich überzeugt.