6:53

Unterwegs

Ich nehme einen letzten großen Schluck vom Kaffee, der bereis kalt ist, als der Schaffner ein zweites Mal freudig pfeifend durch das Abteil läuft und ich auf die Durchsage des nächsten Bahnhofs warte. Es ist noch recht früh an diesem Montagmorgen und ich habe gestern ganz spontan meine Tasche gepackt und beschlossen wegzufahren. Das ist eigentlich nicht meine Art, denn mein Urlaub ist heute vorbei und normalerweise müsste ich jetzt schon auf dem Weg dorthin sein. Ich versuche dies zu verdrängen und die Uhr zeigt 6:53. Es wird so nicht weitergehen. Nicht, wie bisher. Der Alltag, das frühe Aufstehen, das Funktionieren müssen, das Abarbeiten und der tägliche Trott. Ich rebelliere, jetzt und hier. Der Sonntagabend war anders als sonst. In mir hat sich etwas verändert und jetzt sitze ich im Zug auf dem Weg nach …, wohin eigentlich? Mit jedem Kilometer wird die Last weniger. Die Distanz schafft Entspannung und ich kann endlich loslassen. Wenn man so früh reist, dann ist es meist ruhig in den Zügen. Ich höre um mich herum nur geschäftiges Tippen auf Laptoptastaturen. Es ist hecktisch und monoton. Hier werden noch Mails geschrieben, Meetings vorbereitet, Änderungen an Präsentationen vorgenommen und wieder passiert mich der pfeifende Schaffner und durchbricht diese Stille. Seine gute Laune ist heute nicht ansteckend. Nicht für mich. Ich blicke nach durch das Zugfenster: Hochspannungsleitungen, Bäume und Wälder, kleine Orte und verlassene Bahnhöfe, alles zieht vorbei, wirkt idyllisch. Da möchte ich verweilen. Es ist ein kühler Sommermorgen, ich habe mich für Jeans und Pulli entschieden, aber in der Reisetasche, da sind die kurzen Hosen und T-Shirts verstaut. Wo ich hinfahre, dass weiß ich nicht, aber ich werde diese Sachen dort benötigen, davon bin ich überzeugt.

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